Burg Weinheim / Windburg / Burg Winnenberg

Im 12. Jahrhundert soll westlich auf einer Anhöhe von Weinheim, die Windberg genannt wird, die Burg Winnenberg, Windburg oder auch Burg Weinheim genannt, erbaut worden sein. Es wird berichtet, dass diese von dem damals bedeutenden Rittergeschlecht, den Rittern von Winnenberg, bewohnt wurde. Einer der bekanntesten Vertreter dieses Rittergeschlechts war Marquard von Winnenberg, der im 13. Jahrhundert, also in der Zeit Friedrichs II. und Richards von Cornwall, mehr als dreißig Jahre lang zu Oppenheim Reichsschultheiß war. Aus dem gleichen Haus stammte im 14. Jahrhundert Philipp von Winnenberg, der zeitweise Schultheiß und Ratsherr zu Oppenheim und dann Stadthalter der Stadt Mainz im Rheingau war. Das Wappen der Herren von Winnenberg, ein roter Schild mit zwei weißen Doppelstreifen ist im Rosenfenster der St. Katharinen Kirche zu Oppenheim zu sehen.

Das Foto zeigt ein altes Phantasiegemälde der Burg Winnenberg, welches von Philipp Rupp im Jahre 1841 erschaffen wurde und sich heute im Besitz der Nachfahrin, Katrin Marx, befindet:

Man weiß heute zwar nicht genau, wann die Burg zerstört wurde, jedoch als die Pfalzgrafen im Jahr 1489 die Herrschaft in Weinheim übernahmen, soll die Burg bereits in Schutt und Asche gelegen haben. Immerhin erhhält noch 1440 ein "N. N. von Winnenberg" ein Lehen in Schornsheim. So dürfte das Geschlecht von Winnenberg zu diesem Zeitpunkt noch nicht erloschen sein, auch im Mannestamm nicht, und der Zeitpunkt der Zerstörung der Burg liegt wohl erst nach 1440. Ein anderer Zweig der Familie, "von Dexheim genannt Albich", soll erst im 16. Jahrhundert erloschen sein. Im 18. Jahrhundert gehört das Burggebiet der geistlichen Verwaltung: vielleicht hat das Kloster Sion es an sich gebracht.

Überreste der Burg sollen zu Bauzwecken in Weinheim verwendet worden sein. Widder berichtet 1787 noch von Trümmern "der Burg Windberg auf einer Anhöhe, welche neun Morgen, 29 Ruthen Land enthält, und jetzo der geistlichen Verwaltung zugehöret." Wie Hahn mitteilt, sind 1931 bei Rodungsarbeiten noch Lanzenspitzen und Schnallen gefunden worden und Richtscheid berichtet von einer "interessanten Steintreppe", die sich - wohl als einzigen Überrest der Burg - im alten Gerichtshaus in Weinheim befunden habe. Dieses Haus habe auf dem Gebiet von Wilhelm Meitzler in der Nähe des Pfarrhauses gestanden.

Heute gibt es von der Windburg keine erkennbaren Reste mehr.

Zur Burg gibt es auch noch eine alte Sage, die von der unglücklichen Liebe zwischen Idomir und Hedda erzählt. --> zur Sage

Die Geschichte der Weinheimer Burg Windberg

Wenn ihr das nächste Mal von Weinheim nach Offenheim fahrt, schaut mal bei ungefähr der Hälfte der Strecke nach rechts, also ein bisschen nachdem die Steinmauer zu Ende ist. Wie ihr sehen könnt, geht es da bergauf. Und wie es oft so ist auf Hügeln und Bergen, weht dort oben manchmal ein ganz schöner Wind. Deshalb heißt dieser Hügel „Windberg“.

Diesen Namen haben sich die Leute schon vor langer Zeit ausgedacht, denn er heißt schon seit vielen Hundert Jahren so. Man weiß eigentlich gar nicht mehr, wer eigentlich auf die Idee kam, vermutlich eine Weinheimerin oder ein Weinheimer. Jedenfalls gab es zu dieser Zeit früher auch Ritter in unserer Gegend. Bei uns lebte ein Ritter namens „Ritter von Winnenberg. Dieser fand Weinheim und die Gegend sehr schön und deshalb kam er auf die Idee, seine Burg auf den Windberg zu bauen. Die Burg wurde „Burg Windberg“ getauft. Und die Ritterfamilie, die in der Burg lebte, war also die Familie „von Winnenberg“, und sie wurde immer von Eltern an die Kinder vererbt.

Es gab sogar berühmte Ritter aus der Familie „von Winnenberg“ aus Weinheim. Zum Beispiel war der Ritter Marquart von Winnenberg ein Schultheiß. Das heißt, er musste von allen Bewohnern der Region Geld und Essen eintreiben und diese an die Herrscher geben. Wie ihr vielleicht wisst, haben die Herrscher im Mittelalter die Menschen gezwungen, ihnen Geld und Nahrungsmittel zu geben - deshalb waren sie auch so reich. Doch zurück zu den Weinheimer Rittern: Ein Nachfolger, der Ritter Philipp von Winnenberg, war sogar Statthalter in Mainz. Das heißt, er hat dafür gesorgt, dass das, was der König wollte, auch bei uns so gemacht wurde.

Leider gibt es keine Bilder von der Burg Windberg. Doch sie stand über 300 Jahre auf dem Windberg. Doch dann kam eine Zeit, in der viele viele Kriege geführt wurden: Die Herrscher der Völker stritten sich um Land, Geld oder einfach nur Macht. Deshalb mussten ihre Untertanen für sie kämpfen. Dann wurden auch noch Gewehre und Kanonen erfunden, deshalb ist das Ende des Mittelalters sehr schlimm gewesen: Viele Menschen sind gestorben und viele Gebäude sind durch zerstört worden. In dieser Zeit ist auch die Weinheimer Burg kaputt gemacht worden.

Doch auch, wenn die Burg attackiert und zerstört wurde, lagen ihre Steine noch viele Jahre auf dem Windberg (so einen alten Gebäude-Rest nennt man Ruine). Die Weinheimer kamen irgendwann auf die Idee, diese Steine zu holen, um damit ihre Häuser zu bauen. Deshalb gibt es heute keine Reste mehr auf dem Windberg - doch dafür kann es sein, dass in eurem Haus Steine alten Ritterburg eingebaut sind.

Text: Katharina Matheis

Lange war unbekannt, wo sich die Burg wirklich befand.

Erst durch die Arbeit von Karl Müller konnte an Hand alter Pläne der damalige Standort rekonstruiert werden. Dieses Werk von Karl Müller (Die Lage der Burg Winnenberg in Weinheim bei Alzey, Alzeyer Geschichtsblätter 37 (2008), S. 25-32) kann auf der Webseite des Altertumverein für Alzey und Umgebung e.V. heruntergeladen werden. --> Link